Veranstaltungen und Ausflüge

Bericht über den Ausflug 2014

Am 27. Oktober besuchten 44 Kolleg_innen im Rahmen des jährlichen Ausflugs der GEW Wesermarsch die Sonderausstellung „Displaced Persons. Überlebende des Holocaust 1938 – 1951“. Um 15 Uhr ging es mit der Fähre von Blexen nach Bremerhaven und dort zu Fuß zum Deutschen Auswandererhaus.

Acht Millionen Displaced Persons befanden sich nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland. Die ehemaligen jüdischen und nichtjüdischen KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen waren von den Nationalsozialisten und deren Unterstützern aus ihrer Heimat deportiert worden und hatten das nationalsozia-listische Terrorsystem überlebt. Die Sonderausstellung im Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven erzählt die Geschichte der Displaced Persons – von ihrer Verschleppung bis zum Neuanfang in Übersee.

Dargestellt werden einige beispielhafte Einzelschicksale, beeindruckend ergänzt durch Fotos von Clemens Kalischer. Aufgenommen hat er sie 1947/48 in New York, als dort Schiffe aus Bremerhaven mit Displaced Persons ankommen, die in die USA auswandern. Clemens Kalischer hat sich unter sie gemischt, sie auf den einfahrenden Schiffen, in der Ankunftshalle und beim Wiedersehen mit ihren Verwandten fotografiert – ohne nach ihren Namen oder ihrer Herkunft zu fragen. Sofort ins Auge fällt die elegante Kleidung, die im Kontrast steht zu den ausgemergelten, müden und nervösen Gesichtszügen. Es handelt sich um Kleiderspenden, von Hilfsorganisationen bereitgestellt, oder um Kleider, die von Familien ehemaliger SS-und SA-Angehörigen beschlagnahmt wurden.
Der inzwischen 93-jährige Kalischer war 1933 im Alter von zwölf Jahren mit seiner jüdischen Familie von Berlin nach Paris emigriert, kam 1939 in ein französisches Internierungslager und wurde als Zwangsarbeiter ausgebeutet. 1942 gelang ihm die Flucht in die USA, fünf Jahre später porträtierte er die ankommenden Displaced Persons. Schon über die Aufnahme jüdischer Flüchtlinge wie Clemens Kalischer waren in den USA Ende der 1930er Jahre politische Debatten geführt worden. Zehn Jahre später folgte die Diskussion über die Aufnahme von Displaced Persons. Eigentlich hatten die USA bereits 1943 geplant, alle Displaced Persons zu repatriieren, also in ihre Heimat zurückzuführen. Dies gelang bei fünf Millionen. Die Hintergründe zu dieser Entwicklung werden in der Ausstellung an einem von insgesamt sieben Thementischen erläutert. Historische Dokumente, Fotografien, Kartenmaterial und Statistiken zeigen die wichtigsten Stationen der Geschichte der Displaced Persons. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf denjenigen, die ursprünglich aus Deutschland, Belgien, Polen und der Tschechoslowakei stammten.

Die Kolleg_innen waren beeindruckt von der Ausstellung, die ihnen einen für viele überraschenden und neuen Einblick in einen bislang wenig beachteten Teil der Geschichte des Nationalsozialismus und seiner Folgen eröffnete. Im Anschluss an den Besuch dieser Sonderausstellung war noch Zeit, die übrigen Abteilungen des Auswandererhauses zu erkunden.
Der Ausflugs klang aus in der Villa Seebeck mit einem gemütlichen Abendessen. Es wurden angeregt viele Gespräche geführt, da sich etliche Teilnehmer_innen lange Zeit nicht gesehen hatten. Um 21:20 Uhr ging es dann mit der Fähre zurück nach Nordenham.

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