Mitgliederversammlungen

Bericht über die Mitgliederversammlung am 26. Oktober 2018

Zu Beginn der diesjährigen Mitgliederversammlung gedachten die Anwesenden der in diesem Jahr verstorbenen Mitglieder Margret Schreckenberg und Knut Lindberg. Anschließend wurden die Jubilare geehrt: Eva Ringwelski für 25jährige und Wolfgang Schäfer für 40jährige Mitgliedschaft in der GEW.

Da in diesem Jahr satzungsmäßig keine Wahlen stattfanden war als zentrales Thema die künftige Entwicklung der GEW sowohl im Kreisverband als auch im Bezirk Weser-Ems vorgesehen, aber auch aktuelle Infos zur bildungspolitischen Situation. Leider waren die Referenten, der Bezirksvorsitzende Stefan Störmer und seine Stellvertreterin Birgit Ostendorf, durch einen langanhaltenden Stau auf der Autobahn von Osnabrück an der Teilnahme verhindert. Daher ging Heiko Pannemann vom Vorsitzendenteam auf einige notwendige Umstrukturierungen im Kreisverband ein, da im nächsten Jahr zusätzlich auch noch einige personelle Umbrüche anstehen. Unbedingt abgesichert werden muss die Betreuung und Beratung der Mitglieder sowie die Durchführung der Schulpersonalräte- und Vertrauensleutekonferenzen und -schulungen.

Daran anschließend entwickelte sich eine lebhafte Diskussion zur gegenwärtigen Lage und den aktuellen Problemen an den Schulen in der Wesermarsch. Nach wie vor wird in den meisten Schulen die Umsetzung der Inklusion sehr kritisch gesehen. Dieses an und für sich sehr richtige Anliegen sinnvoll umzusetzen bedeutet für die Lehrkräfte eine große Herausforderung und zusätzlich Belastung, weil die Unterrichtsversorgung ohnehin sehr knapp bis untragbar schlecht ist. Eigentlich notwendig ist die Unterstützung durch ausreichende Abordnungen von Förderschullehrkräften. Die findet aber nicht statt, weil einfach zu wenige Förderschullehrkräfte vorhanden sind. Bei Erkrankungen können sie dann auch nicht durch andere Förderschullehrkräfte ersetzt werden und die den Schülern zustehenden Förderstunden entfallen einfach. Zudem wird die Anzahl dieser Lehrkräfte an einigen Regelschulen gegenwärtig sogar noch weiter reduziert, um anderswo wenigstens den Pflichtunterricht aufrecht zu erhalten. Heiko Pannemann vom Kreisvorstand kritisierte diese Praxis: „Dass durch den Wegfall von ohnehin zu wenigen Förderstunden die vorhandenen Probleme an den Schulen potenziert werden und dass sich das in den folgenden Schuljahren bitter rächen wird, liegt auf der Hand!“

Von Grundschullehrkräften wurden die neuen Kerncurricula für Mathematik, Deutsch und Sachunterricht kritisch gesehen: Die Anforderungen und geforderten Kompetenzen seien sehr hoch und für einen Teil der Schülerschaft nur schwer oder kaum zu erreichen. Die Veränderungen in der Schülerschaft und die zunehmende Abnahme der Konzentrationsspanne vieler Schüler würden nicht berücksichtigt.

An den Oberschulen werde die Rückkehr zur Differenzierung in HS- und RS-Zweige ab Klasse 8 diskutiert oder bereits umgesetzt, um den Schülern besser gerecht werden zu können. Als Problem für die Lehrkräfte ergebe sich allerdings bei überwiegendem Einsatz in den schulformbezogenen Zweigen, dass dann die jeweilige Unterrichtsverpflichtung gelte. Der erreichte Fortschritt der einheitlichen Stundeverpflichtung an den Oberschulen werde damit zunichte gemacht.
Die GEW-Mitglieder stellten Überlegungen an, wie auf die erörterten Missstände reagieren werden kann, insbesondere auf die z.T. eklatant schlechte Unterrichtsversorgung. Den Lehrkräften und Schulleitungen seien die Hände gebunden. Das Einfordern von zusätzlichen Lehrerstunden bei der Landesschulbehörde sei zwecklos, da das Versäumnis der zu geringen Kapazitäten in der Lehrerausbildung bei der Landesregierung läge. Ebenso verlaufen die Initiativen der Personalvertretungen über den Bezirkspersonalrat im Sande, da der Unterrichtsausfall landesweit existiere und nicht mehr wie früher auf ländliche Regionen beschränkt ist. Es sei auch schon vorgekommen, dass bei Protesten der Eltern anschließend Schulleiter zur Rechenschaft gezogen und von der Landesschulbehörde gerüffelt werden, weil sie verdächtigt würden Daten zur Unterrichtsversorgung weitergegeben zu haben. „Wenn diese Daten zur Geheimsache erklärt werden, wie soll es dann eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern im Schulvorstand geben?“ , fragte Heiko Pannemann. Ebenso müsse es möglich sein, die tatsächliche Lage an den Schulen den Kommunal- und Landespolitikern zu erläutern. Die GEW-Mitglieder waren sich einig, dass geschönte Statistiken da nicht weiterhelfen. Oft werden die Schulen dazu aufgefordert den tatsächlichen Unterrichtsausfall so zu kompensieren, dass die Stunde statistisch gesehen stattgefunden habe. Dass das oft mehr einer Betreuung gleichkomme und kein geregelter Unterricht sei, werde in der Statistik dann nicht deutlich.

Langfristig helfe nur, die Kapazitäten in der Lehrerausbildung zu erhöhen, denn der Ersatz von ausgebildeten Pädagogen durch sogenannte Quereinsteiger sei keine Lösung mit Zukunft. Dazu gehöre auch, den Lehrerberuf attraktiver zu machen, beispielsweise durch eine Absenkung der Unterrichtsverpflichtung für Grund- und Hauptschullehrkräfte und einer Anhebung ihrer Besoldung auf A 13. „Andere Bundesländer sind da bereits vorangegangen“, äußerte Heiko Pannemann, „und daher wundert es mich nicht, wenn etliche Absolventen von niedersächsischen Hochschulen ihre berufliche Zukunft eher da sehen, wo die Bedingungen besser sind als in Niedersachsen.“